Wege zum Glück: Kauf dir eigene Zeit

Allgemein, Hick-up, Psychologie, Verhaltensforschung

Fotografiert nach VorlageEr ist ein kostbares Gut, dieser Zustand von sich glücklich oder happy fühlen. Alle – heisst es – streben danach, möglichst oft und lange darin zu verweilen. Happiness sei das Gefühl, das einen überfalle, wenn man wisse, dass das Leben gut sei, meint eine populäre Definition. Sie anstreben zu dürfen zählte der amerikanische Gründervater Thomas Jefferson zu den unveräusserlichen Menschenrechten und schrieb es als „Pursuit of Happiness“ in die amerikanische Unabhängigkeitserklärung. Happiness war unter alten Griechen die Eudaimonia, wo einen nur gute (eu-) Geister (daimones) umgeben. Dass auf sie auch verschiedene Wissenschaften ein prüfendes Auge geworfen haben, versteht sich von selbst. Und wie. Fast eineinhalb Millionen Publikationen behauptet Googles wissenschaftliches Suchportal zu Happiness gefunden zu haben. In nur sechs Hundertstelsekunden. Und so lange man in den Listen weiter und weiter blättert, finden sich endlos Titel und Texte mit Happiness.

Nun wird dort, wo Happiness Thema ist, gern auch vermittelt, dass es sich da nicht um einen Zustand handelt, der immer frei von gegenteiligen Gefühlen ist. Wer happy ist, werde einfach seltener von guten Geistern verlassen, um das mal etwas Griechisch auszudrücken. Dies zum Trost. In manchen Arbeiten wird zudem forschend belegt, dass es dem Zustand von Happiness eher schadet, wenn man zu viel darüber redet und alles erst noch genau vermessen will. Gerade eben wird im Journal „Emotion“ gezeigt, dass wer die Wichtigkeit happy zu sein übertrieben betont, den sozialen Druck erhöht und das Grübeln über Versagen anregt, was nun wiederum der ganzen Glückseligkeit ziemlich schaden könne.

Hier aber soll niemand ins dunkle Grübeln gestossen werden. Im Gegenteil – don’t worry, be happy – wird hier gezeigt, wie man ein bisschen Glück kaufen kann. Wie, zeigt eine in den mir so sympathischen und auch sonst hochrangigen „Proceedings of the National Academy of Sciences“ (PNAS) veröffentlichte Arbeit einer amerikanisch-holländischen Gruppe um Ashley V. Whillans und Michael I. Norton von der Harvard Business School. Die Forschenden zeigen in sieben Studien, dass Happiness davon profitiert, wenn man – selbst bestimmte Zeit kauft. Und das unabhängig davon, wie wohlhabend man ist und wo man lebt.

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Eine der Merkwürdigkeiten unserer unvergleichlich glücklichen Epoche ist ja, dass in den aufsteigenden Nationen die Happiness nicht mit dem Einkommen steigen will, sondern scheinbar paradox belegt wird, dass halt Geld allein nicht glücklich macht. Was ja auch als Volksweisheit gilt. Tatsächlich, so sagen die Forschenden, hat sich mit zunehmendem Wohlstand eine neue Armut breit gemacht: Es fehlt an Zeit. Zumindest das Gefühl hat zugenommen, dass freie, nicht von andern regierte Zeit immer knapper wird. Bewiesen ist aber: Zeitstress schlägt auf das Lebensgefühl, fördert Ängste und Schlaflosigkeit. Zeitmangel macht dick, weil gesund essen mehr Zeit kostet, und wer keine Zeit zu haben glaubt, turnt sich auch nicht gesund. Leider zeigt sich dazu, dass höheres Einkommen zu mehr stressigen Tätigkeiten verleitet. Und allein der Gedanke, dass Zeit Geld oder kostbar ist, gibt manchen nachweislich schon das Gefühl, sie hätten viel zu wenig davon.

Nun belegen Whillans et al., dass man sich ein bisschen Happiness erwerben kann, indem man Geld in Hilfe oder Dinge investiert, die einem (selbst verplanbare) Zeit verschaffen. Eine gelegentliche Assistenz im Haushalt, mal ausgehen statt kochen, oder einfach – Hilfe annehmen. Viel muss es nicht sein, zeigen die Forschenden, um sich einen Puffer gegen das Gefühl zu verschaffen, von den guten Geistern der Happiness verlassen zu werden.

Ihr Rezept, sagen Whillans & Co. ziemlich selbstbewusst, weise einen bisher unerforschten Weg von Wohlstand zu Wohlbefinden: Kauf dir eigene Zeit!

Dieser Hick-up erschien am 25. Juli in der Basler Zeitung

 

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