In drei Minuten zu Ruhm in der Wissenschaft

Allgemein, Hick-up, Wissenschaftskommunikation

Teilnehmerinnen und Teilnehmer am FameLab-Final in Basel:
0 Daniel Angerhausen (durch Kollegin vertreten),  Astrophysik & Astrobiologie / Universität Bern. 1 Klavs Renerts, Geriatrics/Neuroscience / Universität Zürich/Unispital Zürich (2. Platz)2 Katarina Cisarova,  Bioinformatik / Universität Lausanne (Gewinnerin). 3 Felix Günther    Mathematik / Universität Genf. 4 Mirjam Laager, Epidemiologie / Schweizerisches Tropen- und Public Health-Institut/ Universität Basel (Publikumspreis). 5 Norine Voisin,  Genetik / Center for Integrative Genomics, Universität Lausanne  (3. Platz). 6 Romain Jacob,   Information Technology / ETH Zürich. 7 Benjamin Boury-Jarmot,    Neurowissenschaft / Centre hospitalier universitaire vaudois / Universität Lausanne. 8 Thomas Perry ,     Teilchenphysik / CERN. 9 Andrea Spinnler,    Molecular Basis of Sleep & Chronobiology / Universität Zürich. Bilder FameLab

Die Location für den Final ist perfekt, der Start zur richtigen Zeit. Freitagabend um sieben, Scharen von Young Urbanites oder solchen, die es gerne wären, sind in der grossen Halle, um an einem der vielen Foodstalls was Exotisches auf den Teller zu kriegen oder am Tisch bei Flüssigem zu plaudern. Da, in der «Alten» Markthalle, mitten in dieser ­aufgeräumt erwartungsvollen Stimmung, die am Anfang eines vielversprechenden Abends mit noch unenttäuschten Hoffnungen herrschen kann, treten zehn junge Forscherinnen (sechs) und Forscher (vier) von Schweizer Unis vor Jury und Publikum auf, um auszumachen, wer am besten spannende Wissenschaft aus dem eigenen Fach vermitteln kann. FameLab heisst das vom British Council patronierte Projekt und das Format besteht aus einem Drei­minutenauftritt in kargem Rahmen. Drei Minuten ohne Powerpoint oder sonst wie Beambarem müssen genügen. Es gilt mit Händen und Füssen sowie vielleicht einem Requisit eine Geschichte zu erzählen, die fasziniert und Wissenschaft der Vorstellungswelt der Zuhörenden nahebringt. FameLab, Labor und Werkstatt für kommenden Ruhm (fame), wurde vor zehn Jahren im in solchen Dingen ziemlich kreativen England für das Cheltenham Science Festival erfunden. Seither dürfen in nationalen Ausscheidungen erkorene Gewinnerinnen und Gewinner dorthin fahren und sich mit andern Besten messen. Interessierte beteiligen sich zuerst an lokalen Ausscheidungen (local heats). Wer gewinnt, darf an «Meisterklassen» teilnehmen. Ruhm in der Science Community bringt es dann, wenn man im Final die Jury überzeugt. Oder das Publikum. Letzteres hat, auch diesmal in Basel, andere Kriterien.
Die Wissenschaftskommunikation fördern soll FameLab und tatbereite Talentierte, die Lust haben, Laien was aus dem eigenen Kosmos der Forschung zu erzählen. Sie sollen unterhalten, ohne ungenau zu werden und – so hoch liegt die Latte – «auf auf­regende Art eine Vision der Wissenschaft des 21. Jahrhunderts vermitteln». Auf Englisch, versteht sich. Im Veranstaltungsraum sitzen – von mir aus gesehen – vor allem junge Leute. Was Mitorganisator und Teilchen-Physiker Constantin Skula (Uni Basel) darauf zurückführt, dass zum Event vor allem über soziale Medien eingeladen wurde. Als Conferencière wirkt eine ebenfalls junge FameLab-Veteranin und auch in der Dreier-­Jury sitzt eine Doktorandin und erfolgreiche FameLabberin aus Genf.
Den Reigen eröffnet mit einem schönen roten Ballon in Form eines beleuchtbaren Herzens der Astrophysiker Daniel Angernhausen von der Universität Bern und erzählt von der ziemlich erfolgreichen Suche nach Planeten, die um astronomisch nahe, uns aber dennoch unerreichbare, Sonnen kreisen. Neun andere Dreiminüter folgen, inspiriert, oft richtig lustig, aber in der Kürze auch anspruchsvoll für die Zuhörenden. Ich lerne, dass ein Löwe mit einer Tigerin Ligers zeugen kann, vice versa Töwen auf die Welt kommen und es da ein Seilziehen um Körpergrössen gibt. Oder dass ich – hätte ich blaue Augen – mit der Queen eine Mutation teilen würde. Mit ihren nur als Thema blauen Augen gewinnt die Bioinformatikerin Katarina Cisarova (Bild)
von der Uni Lausanne strahlend den Basler Final. Norine Voisin, Genetikerin und ebenfalls an der Uni Lausanne, macht mit ihren Löwen und Tigern nur Dritte. Dafür wird Mirjam Laager vom Schweizerischen Tropen-und Public Health-Institut in Basel mit zwei Paar Boxhandschuhen schon ein zweites Mal Favoritin des Publikums, was sie mit einem weiteren Kurs belohnt bekommt.
Spass beim Erzählen (und Zuhören) soll Schule machen. In drei Minuten was Spannendes aus dem eigenen Tun darstellen zu können, ist in jedem Fall – und für jeden Beruf – eine erstrebenswerte ­Kompetenz. Vielleicht sogar mal auch auf Deutsch, wie Chemiedozent Marc Creus, für den Science Slam Club der Uni Basel und auch bei FameLab engagiert, am erfolgreichen Abend als Möglichkeit andeutet.
Als Hick-upIn der Basler Zeitung vom 22. Mai 2017 erschienen.

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