Was macht Tomaten so rot?

Allgemein

572px-tomatoes-on-the-bushTomaten sind bei uns sehr beliebt. Man isst sie als Salat, man kocht sie ein zu allerlei Saucen, man legt sie auf Pizzen und wenn sie ganz reif und süss sind, schmeckt ihr Saft wunderbar. Das finden zwar nicht alle, aber das ist mit fast allem so, was den Geschmack angeht. Tomaten fallen uns im Laden oder auf dem Markt sofort ins Auge, weil sie so leuchtend rot sind. Aber sie sind am Anfang ganz grün und erröten erst am Ende der Reife an der Staude. Da bildet sich nach und nach ein Farbstoff, den man Lycopin, Lycopen oder Leukopin nennt. So hat man den Stoff getauft, weil die Pflanze schon lange zuvor den lateinischen Namen Solanum lycopersicum bekommen hat. Lycopin gehört zu einer Familie von Farbstoffen, die sehr viele Mitglieder hat. Die sind zum Beispiel auch für die gelborange Farbe von Rüebli oder Karotten verantwortlich. Darum heissen sie Carotinoide. Man spricht dem Stoff allerlei heilsame Wirkungen zu, was die Tomaten ja nur noch beliebter macht.

In grünem Zustand sind Tomaten eher weniger bekömmlich. Sie enthalten dann einen Stoff namens Solanin, der giftig wirkt. Er ist auch in grünen Kartoffeln und ihren Trieben enthalten. Tomaten, Kartoffeln, aber auch Paprika zählen zu den Nachtschattengewächsen. In dieser Pflanzenfamilie gibt es einige für uns ziemlich giftige Mitglieder. Die Tollkirsche zum Beispiel, deren Beere man nicht essen darf. Auch der Tabak zählt dazu.

Tomaten stammen ursprünglich aus Peru und Ecuador in Südamerika. Von dort sind sie nach Mexiko und von dort nach Spanien gebracht worden. Die Vorfahren der saftigen Tomaten waren allerdings nicht rot, süss und saftig, sondern klein, eher bitter und dunkel. Erst nach und nach haben die Menschen daraus Tomaten, wie wir sie kennen, gezüchtet. Die Azteken in Mexiko hatten bereits geniessbare Sorten und nannten die Tomatl. Die spanischen Eroberer brachten sie samt Namen zurück nach Europa.

Dank dem Fleiss unzähliger Züchter und Züchterinnen gibt es heute Tausende von verschiedenen Tomatensorten. Die Stiftung Pro Specie Rara, die sich zur Aufgabe gemacht hat, seltene Pflanzensorten zu pflegen und bei uns unter die Leute zu bringen, hat eine ganze Reihe alter Schweizer Sorten im Angebot. Tomaten sind für Botaniker „Beeren“ und können ganz klein, mal riesig, mal rund und schwarzrot oder gefurcht sein.

matthiolVon einem „goldenen Apfel“ oder pomo d’oro hatte vor bald 500 Jahren um 1544 auch der italienische Arzt und Botaniker Pietro Andrea Mattuoli gesprochen als er als erster die Tomate beschrieb.

Heute sind noch immer grosse Anstrengungen im Gange, die Tomaten süsser, aber fest, und in schönen Formen wachsen zu lassen. Leukopin, das man aus Tomaten gewinnt, wird auch als Farbstoff für Lebensmittel eingesetzt. Das Rot weckt halt den Appetit.

Am 15. Mai 2015 in der Rubrik „Kinder fragen – Martin Hicklin antwortet“ in der Basler Zeitung erschienen

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