Ötzi und die scharfe Klinge an der Kehle des Pharaos

Allgemein

Dass die Nachbildung eines Knäuels zerknüllten
Weihnachtspapiers auch den leistungsfähigsten Computern
den Schweiss auf die Stirne treiben könnte, hätten sie denn
eine, beschrieb letztes Jahr der «New Scientist» in seiner
Weihnachtsnummer. Denn es ist britischer Brauch, dass auch
renommierte wissenschaftliche Journale auf Weihnachten hin
schräge oder ganz besondere Arbeiten veröffentlichen. Auch
das angesehene «British Medical Journal» BMJ erzählt bereits
portionenweise online aus seiner Weihnachtsdoppelnummer.
Vom Beagle etwa, der problemlos Spitalpatienten erschnüffelt,
die an einer Infektion des potenziell gefährlichen Clostridium difficile leiden. Oder dass eine Sport-Medaille jeden Materials von
einem durchschnittlichen Gewinn von 2,8 Lebensjahren im
Vergleich zur leer ausgegangenen übrigen Bevölkerung
begleitet ist.


Doch das ist nichts gegen den Weihnachts-Knüller, der gestern
gegen Mitternacht öffentlich wurde und zu dem im «Institut
für Mumien und den Iceman» (das ist niemand anderes als
Ötzi) in Bolzano im Südtirol für heute eine Medienkonferenz
einberufen worden ist. Es geht in dieser blutigen Geschichte
um Verschwörung am Königshof, Mord und Strafe im alten
Ägypten.
Was in Bolzano der «Ötzologe» und Mumien- Professor
Albert R. Zink auszudeuten half, löst ein mehr als 3000 Jahre
altes Rätsel: Der ägyptische Pharao Ramses III., Zweiter in der
20. Dynastie, hat entgegen anderen Vermutungen eine gegen
ihn gerichtete «Haremsverschwörung» nicht überlebt, sondern
ist 1155 vor Christi Geburt Meuchelmördern zum Opfer
gefallen. Nach 32 Jahren Herrschaft im Alter von 62 Jahren.
Wie Computertomogramme der im Ägyptischen Museum in
Kairo aufbewahrten Mumie zeigen, klafft unter des Pharaos
Kehlkopf eine sieben Zentimeter breite Wunde. Die scharfe
Klinge erreichte sogar die Wirbel. Die Verletzung war wohl
sofort tödlich, berichten Zahi A. Hawass, bis vor Kurzem Chef
der Altertümerverwaltung Ägyptens, und der Paläopathologe
Zink mit ägyptischen und mitteleuropäischen Forschenden
online.
Dass die Verschwörung dennoch scheiterte, weiss man aus
einem in Turin aufbewahrten Gerichtspapyrus jener Zeit.
Offenbar stand Teje, eine der Frauen des Pharaos, mit Teilen
des Heers und der Priesterschaft hinter dem Anschlag. Damit
sollte der göttliche Pharao beseitigt und wohl Tejes mit
Ramses gezeugter Sohn «Pentawere» auf den Thron gebracht
werden. Bisher war unklar gewesen, ob der Pharao das
Attentat ein paar Wochen überlebt und die gerichtliche
Ahndung noch selbst eingeleitet hatte. So oder so waren die
Strafen drakonisch. Zahlreiche Beteiligte wurden hingerichtet,
den Sohn (dessen richtiger Name zur Strafe getilgt wurde)
drängte man zum Selbstmord. Von Tejes Schicksal weiss man
nichts.
Dass das Messer nicht erst bei der Mumifizierung in des
Pharaos Kehle fuhr, belegt nach Meinung der Forschenden ein
Amulett in Gestalt eines Horus-Auges. Es liegt tief in der
Wunde und sollte wohl magisch die Verletzung heilen. Die
Mumie, die 1886 mit anderen in einem schützenden antiken
Versteck entdeckt und aus dem Totenfrieden geweckt worden
war, trug Leinenbinden um den versehrten Hals.
Höchst interessant ist aber erst, was das Team über eine zweite
Mumie des «unbekannten Mannes E» berichtet, die einst mit
jener Ramses’ im Versteck gelegen hatte. Sie schien fast
mutwillig unsachgemäss mumifiziert, trug gar Fetzen von als
unrein geltendem Ziegenfell und möglicherweise als Folgen
eines gewaltsamen Tods merkwürdige Gewebefalten im
Halsbereich. DNA-Vergleiche legen nun nahe, dass es sich um
einen Sohn von Ramses III. handeln dürfte. Vielleicht ist der
Tote mit besonders verzerrtem Gesicht niemand anderes als
der aufrührerischen Gattin Teje Sohn, den man
möglicherweise so bestrafte. Mörderische Geschichten, extra
für die Festtage aufgespart. Schöne Weihnachten

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