Ein Quäntchen Myrrhe

Allgemein, Hick-up


Die Festtage nahen mit der üblichen Unvermitteltheit und nur
zu bald werden wir wieder vor vollen Tafeln sitzen. Und
vergeblich versuchen, Mass zu halten und nicht gegen die
mitessende Vernunft zu sündigen. Im Januar wird ohnehin
wieder alles trüber werden. Da nämlich begegnen uns als
Lichtgestalten nur noch die in Basel derzeit so arg vermissten
Drei Könige und ihre guten Gaben, hierzulande gerade noch
von einem Kranz von Hefegebäck mit plombengefährdendem
Inhalt symbolisiert. Dabei hatten die drei Weisen damals auf
ihrer Reise ja ganz wertvolle Geschenke mitgebracht – Gold,
Weihrauch und Myrrhe. Letztere, der Rinde des dornigen
Myrrhenbaums in Yemen oder Äthiopien als Harz entronnen,
galt als besonders kostbar. Nicht nur, weil sie unter anderem
wegen des 5-Acetoxy-2-methoxy-4,5-dihydrofuranodien-6-on
so köstlich riecht, sondern weil sie – wie das von Bienen an
hiesigen Pflanzen gesammelte Propolis-Harz – antibiotisch
wirkt und vor allem in ihrer Heimat für guten Mundgeruch
sorgt. Doch aus dem Orient kommt weitere gute Botschaft.
Nadia Saleh Al-Amoudi, Ernährungswissenschaftlerin an der
King Abd Al-Aziz-Universität im saudischen Dschidda, hat an
Mäusen nachgewiesen, dass Myrrhe das Cholesterin senkt.
Zwar rät auch sie im «International Journal of Food Safety,
Nutrition and Public Health» in erster Linie zu Mass bei
fettem Essen. Falls dann doch nur der Geist willig bleiben
sollte, werden wir die Drei Könige abpassen und sie höflichst
um ein Quäntchen Myrrhe bitten. 

15. Dezember 2009 in der Basler Zeitung erschienen

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