Krähenfüsschen und Klappen

Allgemein, Hick-up

Anführungszeichen sind eine praktische Sache. Man setzt sie dann, wenn man zeigen will, dass das An- und Ausgeführte wirklich wörtlich zitiert wird. Hie und da werden sie auch dazu gebraucht, darauf hinzuweisen, dass der gewählte Begriff nicht ganz trifft oder nur spasseshalber verwendet wird. Vor einiger Zeit habe ich im Tram in einer Gratiszeitung die Schlagzeile gelesen: «Seniorinnen» glänzen am Karneval. Berichtet wurde vom offenbar heute berichtenswerten Umstand, dass eine – igitt! – 44- und eine 46-jährige Frau in Rio als glitzernde Engel oder so was aufgetreten seien. Das sei von einer der «selbstbewussten Frauen über 40» als «enormer Wandel» begrüsst worden et cetera blabla. Weil aber Frauen dieses Alters auch im grössten Jugendwahn nicht wirklich als Seniorinnen bezeichnet werden können, hat man sie im Titel flugs zwischen die auch als Gänsefüsschen bekannten Zeichenzwillinge gesetzt, die jetzt allerdings wie Krähenfüsschen aussahen. Diese neue, typografisch noch deutlicher gestaltbare Anwendung könnte Schule machen. Wenn man – beispielsweise mit «Bundesrat Merz» – ausdrücken möchte, dass jemand in einer Sache ziemlich alt aussieht.

Am 17.März 2009 in der Basler Zeitung als Hick up erschienen.

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