Maurer gegen Rüstung

Allgemein

Seit Samstag ist «Kepler» auf der Reise. Die Sonde soll herausfinden, ob es in einem winzigen Himmelsfenster mit 100 000 Sternen wenigstens einen gibt, der von einem unserer Erde ähnlichen Planeten umkreist wird. Ach wärs doch so, dann fühlten wir uns nicht mehr so allein in der Krise. Doch bis der in die Ferne schweifende Kepler fündig wird, müssen wir uns mit Schönem von nahen Nachbarn trösten. Etwa damit, dass Schimpansen in Kongo es verstehen, aus einem Zweig geschickt eine Termiten-Fang-Rute zu basteln. Mit einem sorgfältig zur Bürste zurechtgebissenen Ende, das den Erfolg erheblich steigert. Oder erst noch der gebürtige Münchner Rinaldo in seinem schwedischen Zoo. Als Gruppenchef hatte er regelmässig Zoff mit den Zuschauern jenseits des Wassergrabens. Immer gegen elf begann er sich mächtig aufzuregen. Das muss er selbst vorausgesehen haben. Denn Rinaldo pflegte jeweils am Morgen früh, wenn noch keiner gaffte, in aller Ruhe Steine zu sammeln und am Graben bereitzulegen. Die nutzte er dann als Wurfgeschosse und zur Psychohygiene. Als man die losen Steine vorsichtshalber wegräumte, begann Rinaldo die Gemäuer nach hohlen Stellen abzuklopfen, um lockere Zementstücke zu orten. Die löste er heraus und versteckte sie. Man sieht: Auch unsere Verwandten haben einigen Grips. Auch sie verschwenden ihn ans Rüsten. Und manchmal könnte ein Maurer es verhindern.

Am 10. März 2009 als Hick-up in der Basler Zeitung erschienen.

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