Wenn Muskeln süss werden

Allgemein

Wir benützen sie Tag für Tag, nicht immer alle und längst
nicht immer alle richtig. Etwa 640 davon haben wir, der
längste ist der Schneidermuskel quer über dem
Oberschenkelmuskel, der kräftigste natürlich der Grosse
Gesässmuskel und als Benjamin unter allen gilt der Musculus
stapedius beim Steigbügelchen im Ohr. All diese Faserbündel
wollen bewegt und gepflegt bleiben. Letzteres tun sie auch
selbst, indem die Zellen aufgelaufenen Schrott entsorgen.
Autophagie nennt man das, Selbstauffressen eigentlich. Wenn das übertrieben wird, schmilzt die Muskelmasse, die ja bei einem gestandenen Mann doch um die 40 Prozent des
Körpergewichts ausmacht. Aber offenbar läufts auch
umgekehrt. Klappt das Rausschaffen von Abfällen nicht mehr,
schlaffen auch die Fasern ab, berichten Marco Sandri und
Mitarbeitende aus Padua in «Cell Metabolism». Im gleichen
Journal wird auch davon berichtet, dass schon die Aussicht auf
Süsses Muskeln dazu bringt, mehr Zucker aufzunehmen. Das
hat eine japanische Forschergruppe am Nationalen Institut für
Physiologische Wissenschaften herausgefunden. Das Gehirn
reagiert auf lustvolle Aussichten und gibt offenbar den
Muskeln die gute Nachricht weiter. Als Bote benutzt wird
dazu das vielseitige Orexin, das auch mit Schlafen und
Wachen zu tun hat (und darum von der Allschwiler Firma
Actelion intensiv beforscht wird). Muskeln machen jedenfalls
mehr als man denkt, führen wie wir Haushalt und sind
manchmal richtig süss. Nicht nur zum Ansehen.

Am 8. Dezember  2009 in der Basler Zeitung erschienen

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