Rute für Santa Claus

Brauchtum, Glossen

Das angesehene «British Medical Journal» hält in seiner
Weihnachtsnummer den Finger auf einen wachsend wunder
werdenden Punkt: Santa Claus, angelsächsischer
Doppelgänger unseres Sankt Nikolaus, verführe mehr und
mehr zu ungesundem Lebenswandel. Seit er in den
Dreissigern erstmals für Coca Cola ausgefahren ist, hat man
den Rotgekleideten zum willigen Werbeträger für fast alles
ausser Rasierklingen gewonnen. Auch für ess- und trinkbare
Dinge, die der Gesundheit ziemlich schaden. Santa Claus,
bekannter als Papst und Präsident zusammen, missbrauche
seine Popularität. Statt den Kindern gutes Vorbild zu sein,
gebe er ein schlechtes Beispiel am andern. Viel zu dick sei der
Mann geworden. Mache keinen Schritt zu Fuss, sondern fahre
immer mit von bis zu sechs Rentieren gezogenen Schlitten
durch die Luft und trage dabei erst noch keinen Helm. An
manchen Orten sei es ja Brauch, dem rotbäckigen
Weissbärtigen ein Glas Brandy zu offerieren. Der besteige
dann unbekümmert wieder seinen Schlitten. Schlechtes
Beispiel, auch wenn man den Kindern dann sagt, es sei nicht
Santa Claus, sondern die Rentiere, die da lenkten. Wenigstens
das Rauchen hat der Amerikaner völlig aufgegeben. Er könnte
sich ein Beispiel an unserem Santiglaus nehmen. Der braucht
vom Schwarzwald in die Langen Erlen nur gerade einen Esel.
Den bindet er erst noch beim Wiesendamm an, um zu Fuss in
die Stadt zu gehen. Kein Wunder, dass unser Santiglaus nie
dick wird und unsere braven Kinder alle so gesund leben.

15. Februar 2009 Basler Zeitung

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